Ein Albtraum in feshem Lila - Eve & Back [Teil 1]


Ein Albtraum in feshem Lila - Eve & Back

Teil 1: Es wird ernst


Das Projekt Eve&Back soll mein größtes überhaupt in KSP werden - Eine bemannte Mission zu Kerbins größerem Nachbarplaneten und zurück. Bemannt, mit tonnenweise Mods, Lifesupport und der Bo. Lange war mein zeitliches Budget und meine Aufmerksamkeit wieder anderen Projekten wie der Bachelorarbeit gewidmet, jetzt will ich weiter in Richtung des lila Planeten durchstarten. Nach all der Vorbereitung die sich mittlerweile fast 1,5 reale Jahre hinzieht, wird es jetzt ernst.


Oktober 2020: Es wird Ernst. Die Armada von insgesamt 7 Transferschiffen (5 mit je 2 Basismodulen, das Eve Ascent Vehicle und ein weiteres außerplanmäßiges Transferschiff mit zusätzlichem Science-Stuff) steht im Parkorbit und wartet auf das nächste Transferfenster zu Eve. Letztes Mal habe ich mein Konzept vorgestellt, hier möchte ich nun mehr ins Detail gehen und die einzelnen Module der Basis vorstellen und beschreiben, bevor ich am Ende des Posts mit dem Missionsverlauf einsteige.



++ Der teuerste Trailerpark der Geschichte ++

Hater sagen die Idee sei mir nahe Berlin im Hochsommer auf dem Campingplatz gekommen, als ich auch dachte dass Bier am Spätnachmittag und 32 Grad klar geht und danach vielleicht ein bisschen betrunken war - Dementieren kann ichs jedenfalls nicht :D


Die Basis teilt sich in die Hauptbasis (6 Module), den Mining-Außenposten (1 Modul) und die Rover (3 Stück) auf. Grundsätzlich habe ich aus den Missionen und Fehlschlägen der Vergangenheit gelernt: Alle Module sind miteinander kompatibel, jedes Modul hat eine eigenständige (wenn auch mitunter schlechte) Strom- und Kommunikationsausrüstung und der Life-Support ist so überdimensioniert und redundant ausgelegt dass es selbst im Worstcase funktionieren sollte.


Ich stelle euch die Module nach Funktionseinheiten vor, die ich der Reihe nach in Spoiler packe:








+++ Liefern sie eigentlich gratis bis Eve? +++


Der Stand der Dinge ist also, dass all diese Module - mehr oder weniger hübsch verpackt - auf irgendwelchen Standard-Transferschiffen im hohen Orbit über Kerbin darauf warten dass es los geht. Ich muss an der Stelle gestehen dass ich zwar schon mehrere Flüge auf einmal koordiniert habe, aber 7 Großschiffe mit ihren Eigenheiten sind dann doch nochmal eine eigene Hausnummer :D

Stand der Dinge ist auch, dass eigentlich alle Transferschiffe noch mit einer Orbitalstufe unterwegs sind, mit der die interplanetaren Booster an die Transferschiffe geliefert wurden. Ich hab die beim Docken einfach dran gelassen, weil ist ja noch Sprit drin und den schmeiß ich nicht weg, ich bin ja nicht bescheuert. Lieber mit RCS pokern und 100-200m/s sichern.


Größtes Risiko der gesamten Mission sind aber die geplanten Aerobrakes bei Eve, die von sämtlichen Transferschiffen hingelegt werden sollen, um Delta-V zu sparen. Dazu verfügen die Transferschiffe am Heck (also dem Booster-Segment - Dem Schwerpunkt) über diese aufblasbaren Hitzeschilde. Ich muss ehrlich gestehen dass ich mit dieser Lösung nur bedingt glücklich bin: Aerobrakes mit 200m Schiffen ist jetzt nicht so mein Traum, vorallem weil ich mit diesen aufblas-Dingern nur schlechte Erfahrungen habe. :thumbdown:

Aus genau dem Grund habe ich mich auch nochmal schlau gemacht wie man denn nun am optimalsten einen interplanetaren Transfer hinlegt und daraufhin mein Startfenster und meinen Kurs noch einmal optimiert. Geplant war jetzt ein Zwischenmanöver nach etwa einem Drittel der Reisezeit, um den Eintrittsorbit bei Eve bereits möglichst genau zu formen.


Relativ spät ins Geschehen eingestiegen ist ein außerplanmäßiges Transfer-Schiff, welches drei wissenschaftliche Sonden auf einmal zu Eve transportieren soll. Ich wills nicht schönreden: Mir sind da last-minute noch einige Sachen eingefallen die man besser am Anfang gemacht hätte :whistling::crylaugh:





Die Ankunft bei Eve war auch ein Erlebnis für sich:


Sieben Schiffe, die gleichzeitig ihre Manöver durchführen müssen. Als Erstes erreichte Transfer-Schiff Epsilon (das mit den 3 etwas späten Satelliten) Eve - Das ist kein Zufall:

Kiyoshi-Sat muss zügig in Stellung gebracht werden, da mit dessen Signal die Landungen der Module gegen einen Funkausfall abgesichert werden sollen. Um Verzögerungen im Landeablauf zu vermeiden, muss der Satellit natürlich schon möglichst in Position sein, wenn die Landungen beginnen - Er muss also zuerst ankommen.


Dazu ist das Transfer-Schiff Epsilon einen schnelleren Transfer geflogen (Kostet natürlich mehr Delta-V, aber die drei Satelliten wiegen ja kaum was und ich hab da nen Standard-Booster dran geklatscht, war also locker drin :D). Nachteil ist dass Kiyoshi-Sat einen äquatorialen Orbit benötigt, während WATR-Sat einen polaren erfordert. Der Kompromiss besteht natürlich in 45° Inklination, und falls ihr euch gefragt haben solltet warum die beiden Satelliten jeweils auf Ionenantriebe setzen, habt ihr jetzt auch eure Antwort. Transfer-Schiff Epsilon erreichte also als erstes Eve und ich konnte die Sequenz aus Manövern starten, die notwendig sind um Kiyoshi-Sat an die richtige Stelle zu bekommen.


Noch in der selben Woche erreichten auch die anderen Transferschiffe Eve. Mein Plan mit den optimierten Manövern hat glücklicherweise funktioniert und es ist so viel Treibstoff gespart worden, dass kein einziger Aerobrake von nöten war. Puh :schäm:


Die Organisation der Manöver war trotzdem ein Kraftakt: Um die Übersicht zu behalten habe ich zusätzlich den Mod Kerbal Alarm Clock installiert und separat eine Checkliste aller notwendigen Manöver in chronologischer Reihenfolge auf dem Whiteboard geführt. Die Transferschiffe kamen im Verlauf von etwa 12h bei Eve an, im Hauptteil der Ankunftsphase lagen zwischen den Manövern weniger als 10 Minuten. Die Manöver von Kiyoshi-Sat habe ich (Ionentriebwerk, lange Brennzeiten) teilweise aufteilen müssen, um andere Manöver fliegen zu können. :schäm:



Nach dem Abschluss der Manöver aber die Erleichterung: Alles hatte wunderbar geklappt. Die Transferschiffe waren zwar nicht alle auf den optimalen Orbits, aber es gibt gute Gründe warum ich die Landestelle nah an den Äquator gelegt habe. Einer davon ist, dass die Landezone natürlich leicht zu erreichen ist. Das Landen konnte also beginnen.


Eine typische Landung auf Eve beginnt mit dem Ausklinken vom Transferschiff und einem kurzen Burn um auf die richtige Bahn zu kommen. Nach wenigen Minuten beginnt der Eintritt in Eves Atmosphäre, der zwar heiß, aber im Endeffekt zunächst doch glatter ist als erwartet. Das geht etwa zwei bis drei Minuten bevor man auf den Übergang zur Stratosphäre trifft: Der Druck steigt merklich und rapide an, ebenso wie der Luftwiderstand. Der Lander verliert in etwa 20s den Hauptteil der orbitalen Geschwindigkeit und Beschleunigungen von >12g sind keine Seltenheit (und ich bin nicht wirklich steil rein). Definitiv etwas, was ich im Hinterkopf behalten sollte, wenn es mit Kerbals an den Start geht. Nach diesem heißen Ritt ist der gefährliche Teil es Abstiegs geschafft, auf 10-12km Höhe wird der Meeresdruck auf Kerbin erreicht und die Fallgeschwindigkeit sinkt immer weiter.


Um es mit den Worten von Quazar zu sagen:

Zitat

Auf Eve baut man aerodynamisch nicht um zu fliegen, sondern um schneller zu fallen :D

5 Minuten Abstieg von der 10km Marke sind der Regelfall :sleeping:


Und es gibt ein weiteres Phänomen, dass ich anfangs so nicht auf dem Schirm hatte und mir deutliche Probleme bereitete: Trotz dem Mod Trajectories wichen die tatsächlichen Landepunkte um bis zu 15km von der Vorhersage ab. Eine Abweichung die sich nicht (nur) durch natürliche Fehler in der Berechnung auszeichnen kann. Zwei Abstiege später fand ich es beim Caravan, der sich in den Wind drehte, heraus: Auftrieb. Eves Atmosphäre ist so dicht, dass selbst ein Backstein genug Fläche aufweist, um einen signifikanten Auftrieb zu haben. Durch den "Anstellwinkel" und die Ausrichtung ergibt sich damit natürlich eine "Flugrichtung" die über den Verlauf von 10km Fall etwa 5-10km machen kann.


Jetzt wo ich den Effekt kannte, konnte ich ihn zu meinem Vorteil nutzen: Durch geschicktes "in den Wind drehen" der klobigen Module konnte ich Patzer im Reentry wieder ausbügeln und die verbleibenden Module im Radius von etwa 5-10km um die geplante Landestelle absetzen. :thumbup:




Und da sind wir nun: Die Module sind gelandet, alle heile (hätte ich nicht gedacht) und keins liegt auf dem Dach (hätte ich überhaupt nicht gedacht). Der Zusammenbau hat begonnen und der Mining-Außenposten steht auch schon auf Position (die leider 15km weiter weg als gedacht und im Hochland ist :pinch:)



Bleibt dran, denn nächstes Mal begleite ich den Aufbau der Basis und zeige euch was ich für mein Mutterschiff gebastelt habe :wink: